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"tunneln" oder "gurken"?

30.06.2006 | Topstory, Verkehr/Bezirksentwicklung, Handelskai, U2 Leopoldstadt

"Tunneln" heißt bei unserm nördlichen Nachbarn das, was bei uns ein "Gurkerl" ist, nämlich das Durchschieben des Fußballs durch die Beine des Gegenspielers. In der "Verkehrspolitik" der SPÖ-Leopoldstadt bedeutet "tunneln" das aus dem Ärmel Zaubern einer Tunnelvariante bei unlösbaren Verkehrsproblemen


Schon bei den beiden Parkhäusern der Messe Wien hat Bezirksvorsteher Kubik immer wieder von einem Tunnel gesprochen, der die AnrainerInnen entlasten soll - ohne die Frage beantworten zu können, wer denn überhaupt einen Tunnel plant oder gar zahlen will. Beim Viertel 2, dem Hochhaus- und Bürokomplex an der Trabrennstraße, wiederholt die SPÖ diesen Trick: Im Vorfeld von erwartbaren Verkehrsbelastungen wird von einem Tunnel fantasiert und so versucht, eine sachliche Diskussion um ein Verkehrskonzept zu vereiteln.

Aber die SPÖ gurkt nicht nur planlos herum, sie bedient sich mitunter auch böser Fouls und dafür gebührt ihr schon längst der Platzverweis. Der SP-Bezirksparteisekretär und Gemeinderat Hora verstieg sich im Wiener Bezirksblatt zu der Behauptung, dass die Grünen vorgeschlagen hätten, durch den Park bei der Offenbachgasse eine vierspurige Straße zu führen. [Wir haben davon Abstand genommen, gegen die unwahre Behauptung des Gemeindrat rechtliche Schritte zu unternehmen, da wir anders als die SPÖ davon überzeugt sind, dass Sachargumente das einzige Instrument konstruktiver Politik sind.]

Diese Unterstellung, wir hätten eine Straße statt eines Parks vorgeschlagen, ist unwahr und unredlich: Diese "Unterstellung" stammt vielmehr aus der Feder eines Planungsbüros, das die Verkehrsentwicklung rund um das neue Einkaufszentrum und auch die zukünftige Verkehrsentwicklung beim Viertel 2 berechnet hat. Berücksichtigt man nämlich ALLE geplanten Projekte in diesem Wohngebiet, so ist am Handelskai mit einem zusätzlichen (!) Verkehrsaufkommen von von einigen zehntausend Fahrzeugen pro Werktag zu rechnen

Wir Grüne haben immer davor gewarnt, dass die Projekte rund um die Entwicklungsachse U2 (Messe Wien Neu, Krieau, Viertel 2, Einkaufszentrum, Gewerbegebiete Donaustadtbrücke, Messecaree Nord und Entertainment-Center beim Messeareal-Süd) durch die Zunahme des Kfz-Verkehrs für die Bewohnerinnen und Bewohner eine zusätzliche und somit unerträgliche Lärm- und Abgasbelastung verursachen werden.

Deshalb fordern wir Grüne schon seit langem ein Verkehrskonzept für das gesamte Gebiet. Bisher gab es nur isolierte Verkehrsuntersuchungen zu einzelnen Projekten. Das hatte eindeutig auch den Sinn, die dafür gesetzlich vorgesehenen Umweltverträglichkeitsprüfungen für diese Projekte zu umgehen.

Nun hat die SPÖ Leopoldstadt aber überraschenderweise in der letzten Sitzung des Bezirksparlaments dem Grünen Antrag auf die Erstellung eines Gesamtverkehrskonzepts für die Entwicklungsachse U2 zugestimmt. Viel zu spät, einige Projekte sind ja bereits fertiggestellt oder stehen kurz vor der Fertigstellung - aber immerhin. Vielleicht kann dieses Verkehrskonzept das Ausmaß der Belastungen der AnrainerInnen zumindest vermindern.

Wir Grüne fordern jedenfalls, dass die Lebensinteressen der Leopoldstädter Bevölkerung rund um die Messe, am Handelskai und im Stuwerviertel Vorrang haben vor den Interessen der Großinvestoren. Unsere konkreten Vorschläge zur Eindämmung des explodierenden Autoverkehrs in dem Gebiet sind folgende:

  • Handelskai: LKW-Fahrverbot (ausgenommen Zulieferung), um den LKW-Ausweichverkehr von der A22-Donauuferautobahn zu unterbinden, und strenge Überwachung der Tempo 50-Höchstgeschwindigkeit.
  • Meiereistraße: Keine Öffnung für den motorisierten Individualverkehr an Einkaufssamstagen und Sperre auch an den Wochentagen (analog zur Wochenendregelung).
  • Zufahrt zu den Messeparkhäusern vom Handelskai nur über die Machstraße. Sperre der Vorgartenstraße für den Durchzugsverkehr. Gestaltung eines Parks am Elderschplatz nach der U2-Inbetriebnahme. Keine Straße durch den Park in der Offenbachgasse.
  • Ausdehnung der Gültigkeitsdauer des Parkpickerls im Gebiet zwischen Handelskai und Messe sowie im Stuwerviertel auf das Wochenende, ohne Mehrkosten für die AnrainerInnen. Damit sollen die Besucherautos in die - gähnend leerstehenden - Garagen der Messe gezwungen werden und so wird der Missbrauch der Wohngebiete als Gratisparkplatz verhindert.

Wir erwarten uns eigentlich, dass diese Entlastungsvorschläge auch in das Gesamtverkehrskonzept aufgenommen werden. Dennoch liegt es auch an Ihnen allen - als Hauptbetroffene - den Zuständigen, allen voran Bezirksvorsteher Kubik (SPÖ), klarzumachen, dass Sie nicht gewillt sind, diese eklatante Verschlechterung Ihrer Lebensqualität widerspruchslos hinzunehmen. Er hat unter Tel. 21106-02111 oder post(at)b02.magwien.gv.at sicher ein offenes Ohr für Anregungen der Leopoldstädter Bevölkerung.

 







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