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Gerda Medek

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Neulich am Praterstern

03.04.2008 | Topstory, Nordbahnhof, U2 Leopoldstadt

Der Bahnhof Praterstern erstrahlt in neuem Glanz. Doch hinter der Fassade sind die Probleme die alten...


Neulich am Praterstern…

vor unserem neuen Bahnhofsgebäude. Ein Mann, barfuss, sichtlich verwahrlost, schwer krank und betrunken wird von einem Polizisten Amtsbehandelt. Was geschieht weiter mit dem Mann? Nichts, erklärt mir das Amtsorgan, schauen sie sich um, hier gibt es Dutzende solcher Fälle. Es gibt mehr Obdachlose als Notschlafstellen und Alkoholisierte werden jedenfalls nicht aufgenommen. Die Clearingstelle in der Pazmanitengasse hat geschlossen, die Gruft nimmt ihn nicht auf weil er betrunken ist, die Rettung nimmt ihn nicht mit, weil er noch gehen kann, das Straßen-Streetwork gibt es nur mehr sporadisch, die Polizei kann jedenfalls gar nichts tun. Der Mann zeigt seine offenen Beingeschwüre, sagt dass er Schmerzen hat. Irgendwann abends kommt der Luisebus, der wird sie anschauen, tröstet ihn der Polizist und nimmt ihn zur Protokollaufnahme aufs Wachzimmer mit.


So schaut´s aus!

Vor der Kulisse des prächtigen neuen Bahnhofs wird die Bevorzugung der Wirtschaft und die Benachteiligung der ärmeren Bevölkerung besonders deutlich. Vor der Errichtung des neuen Gebäudes wurden gleich einmal die Strukturen bereinigt, dazu gehörte es die „negativen Eindrücke“ der „Sandlerabsteige“ (O-Ton der Stadtplaner) verschwinden zu lassen, um Entertainment, Tourismus und Events für Betuchte, keinesfalls durch den Anblick von Habenichtsen zu stören.


Die Hilfseinrichtung für Obdachlose in der Pazmanitengasse, welche jährlich 7000 Kontakte vorzuweisen hatte, wurde kurzerhand geschlossen. Die Stadt zahlt an die kirchlichen Einrichtungen Zuschüsse und die Obdachlosen sollen gefälligst in die Kirche am Mexikoplatz gehen. Diese Vorgangsweise hat uns sehr betroffen gemacht. Wir meinen es ist eine Schande für den Bezirk und für die Stadt Wien, wenn sie ihre Obdachlosen den Kirchen und diversen Religionsgemeinschaften überlässt, als wären sie ausgebürgert.







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