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Uschi Lichtenegger

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Themenbereiche:
Klubobfrau (Kultur, Frauen, BürgerInnenbeteiligung, Augarten, Nordbahnhof, Zusammenleben)

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Der Umgang der Bezirkspolitik mit dem Antisemiten Arnezhofer

25.06.2009 | Demokratie, Topstory, Anträge, Stuwerviertel


Selma Steinmetz statt Arnezhofer

In der Bezirksvertretungssitzung Leopoldstadt am 16.Juni 2009 stellten wir den Antrag, die Arnezhoferstraße im Stuwerviertel, nach Selma-Steinmetz-Straße umzubenennen. Bis diese Umbenennung erfolgt, sollen an allen drei Eingängen der Arnezhoferstraße Zusatztafeln zur Namensgebung nach "Arnezhofer" aufgestellt werden mit folgendem Text:

Johann Ignaz Arnezhofer (gest.1679), Pfarrer und Kommissär zur "Ordnung der israelitischen Angelegenheiten", organisierte im Jahr 1670 im Auftrag von Leopold I. die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Stadtteil "Unterer Werd" (damaliger Name der Leopoldstadt). Die Benennung erfolgte 1906 durch den antisemitischen Bürgermeister Lueger.

Unser Antrag wurde von SPÖ, ÖVP und FPÖ abgelehnt.

Nicht annehmbarer Vorschlag für die Zusatztafel:

„Erster Pfarrer der Pfarre St. Leopold“

In der Präsidiale der Kulturkommission wurde ein Text für die Zusatztafel zur Arnezhoferstraße präsentiert. Das war sozusagen der dritte Teil in dieser unsäglichen Causa.

Zuerst wurden die Juden von Arnezhofer deportiert, anstelle der Synagoge eine Kirche errichtet und zum Dank wurde der Stadtteil auch noch nach dem auftraggebenden Kaiser Leopoldstadt benannt. Dann kam Anfang des 20. Jhdts. Bürgermeister Lueger und er benannte nicht nur die Arnezhoferstraße nach einem Antisemiten. Nun folgt die traurige Fortsetzung, dass man die Geschichte der Judenverfolgung durch Arnezhofer verschweigen will und so soll auf der Zusatztafel nur stehen, dass Arnezhofer der erste Pfarrer der Pfarre St. Leopold war. Der SPÖ-Vorsitzende der Kulturkommission berief sich auch auf die MA 53, dass diese keine gesicherten Daten habe. Aber selbst auf www.wien.gv.at, eine Seite der MA 53, geht man auf die historischen Daten ein, und auch auf der Tafel zur Pfarre selber, wird die Geschichte der Pfarre nicht verschwiegen, siehe Fotos.

Auch die ÖVP lässt Geschichte aus

Im Bezirksparlament fand zu diesem Antrag eine Debatte statt und es ist unglaublich, aber in der Sache gibt es nun eine weitere Fortsetzung. Ein Bezirksrat der ÖVP las die Begründung vom 11. Mai 1906 aus der Stadtrats-Sitzung vom 19. April 1906 für die Benennung der Gasse nach Arnezhofer vor. Den entscheidenden Teil ließ er aus, nämlich, dass Arnezhofer „welcher um 1671 der erste Pfarrer der an Stelle der niedergerissenen Synagoge erbauten Kirche in der Leopoldstadt war, der Kommission zur Ordnung der jüdischen Angelegenheiten angehörte“. Der Bezirksrat bezog sich weiters zur Judenverfolgung auf den Grafen Kollonitz, der lt. Wikipedia dezent formuliert sich zu andersgläubigen „intolerant“ verhielt und übrigens ein Denkmal im Rathauspark hat. Der Bezirksrat der ÖVP vergaß aber zu erwähnen, dass Arnezhofer als Referenz für sein Gesuch, Pfarrer in der Leopoldstadt zu werden, seine 4jährige Tätigkeit bei Kollonitz anführte und wie engagiert er bei der Judenvertreibung war: „… hernach 4 ganzer Jahr bei ihre Hoch Bischoff Hochwürden und Herrn Leopoldt Grafen v. Kollonitz die Capellaniam vorstehen, mit ihnen in Ungarn und Neutra gewesen, nicht weniger mich in wehrend Juden Comission gebrauchen lassen…“

Straßenbenennungen sind Ehrungen

Hier wurde ein Antisemit geehrt, weil Ende des 19. Jhdts. ein Bürgermeister Lueger versuchte, mit Antisemitismus Stimmen zu gewinnen. Um die Ecke sind Schulen, Kindergärten. Das Geringste wäre doch, so meinen wir Grünen nun schon seit über zehn Jahren, als ersten Schritt Zusatztafeln aufzustellen und ein Auseinandersetzen mit der Geschichte zuzulassen und in weitere Folge, gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort, den Schritt zur Umbenennung zu setzen.

Wir werden nicht müde werden, die Forderung nach Umbenennung der Arnezhoferstraße weiterzutragen und unterstützen gerne die BewohnerInnen des Stuwerviertels , die eine Benennung nach Selma Steinmetz vorschlagen.

Selma Steinmetz

geb. 1907 in Wien, studierte Geschichte und Germanistik und wurde Lehrerin. Als jüdische Sozialdemokratin fand sie nach 1934 unter den Austrofaschisten keine Anstellung mehr und ging nach Paris, wo sie sich 1939 den kommunistischen Widerstandsgruppen österreichischer EmigrantInnen anschloss. Sie engagierte sich in der „Travail Antiallemand“, der „Antideutschen Arbeit“, die unter deutschen und österreichischen Soldaten Aufklärung über die Verbrechen des Nationalsozialismus betrieb. 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet, gefoltert, zum Glück aber von der französischen Resistance wieder befreit. Sie kehrte nach Wien zurück, wo sie wesentlich am Aufbau des DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands) beteiligt war. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1979 war sie engagiert bei der Erforschung und Aufklärung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Sie war die erste, die über die Verfolgung von Roma und Sinti im Nationalsozialismus publizierte.

 






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